Iranische Drohnen

Iranische Drohnen

Update: 05. November 2022

Beim Iran treffen der Anspruch eine regionale Macht zu sein auf starke wirtschaftliche Sanktionen und eine gut ausgebildete, kreative Bevölkerung. Gerade unter dem Mullahregime und den Militärs und islamischen Bisidschi Paramilitärs wird dieser Anspruch auch nach militärisch nach Außen projeziert. 

Das Ergebnis: der Versuch mit geringen finanziellen Resourcen eine dominante militärische Stellung zu erlangen. Unter anderem durch Drohnen.

Und dies versucht der Iran mit großem Erfolg. Das Land gehört zu den führenden Ländern der Welt in militärischer Drohnentechnologie. Insbesondere was das Preis-Leistungsverhältnis angeht und der Umgang mit geringen Resourcen. 

Irans Drohnen – eine aktuelle Diskussion

Die Diskussion über das iranische Drohnenprogramm ist aktueller denn je. Russland wird vorgeworfen beim Krieg in der Ukraine iranische Drohnen einzusetzen. Russland und der Iran bestreiten dies und die beim Angriff auf ukrainische Infrastruktur eingesetzten Drohnen haben russische Bezeichnungen, sind allerdings laut Beobachter zumindest baugleich mit iranischen Drohnen. 

Irans Shahed-136 Drohnen vs. US Switchblade 300

Die Shahed-136 Drohnen oder die wahrscheinlich baugleichen eingesetzten Drohnen in der Ukraine unterscheiden sich fundamental von den US Switchblade Kamikazedrohnen. Letztere wurden im April an die Ukraine geliefert und im Mai zuerst nachweislich eingesetzt. Die Switchblade hat eine Reichweite von ca. 10 Kilometern und einen Sprengsatz wie eine Handgranate. Gegen gepanzerte Gegner kann die Switchblade 300 daher eher wenig ausrichten. Auch ansonsten dominieren auf Seite der Ukraine eher kleine Bomben, die von Quadcopterdrohnen fallen gelassen werden. 

Die Shahed-136 hat eine Reichweite von 1000 km und kann Sprengsätze mit einer 50 mal stärkeren Wucht wie die Switchblade tragen. Infrastruktureinrichtungen, Gebäude, gepanzerte Fahrzeuge können also durch die Shahed zerstört werden. 

Der Nachteil bei der Shahed-136 im Gegensatz zur Switchblade Drohne ist, dass es sich um keine First Person View Drohne handelt und daher nicht kurzfristig während des Fluges in ein Ziel gesteuert werden kann. 

Ein weiterer Vorteil der Shahed Drohne ist allerdings auch der günstige Preis von geschätzt 20.000 Dollar. 

Shahed-136 vs. Tomahawk

Die Ausgestaltung der Shahed-136 Drohne macht deutlich, dass sie wenig mit einer Switchblade-300 gemeinsam hat. Man kann sie eher mit einem Marschflugkörper wie dem Tomahawk vergleichen. Allerdings gibt es auch hier massive Unterschiede. Ein Tomahawk kostet ca. 2 Millionen und wiegt mehr als eine Tonne. Ein Tomahawk hat eine Sprengladung die mehrfach stärker ist als bei einer Shahed. Die Tomahawk bietet sich also an Infrastrukturziele nicht nur zu schädigen, sondern zu zerstören. Auch gegen einige Bunker und Gebäude kann sie eingesetzt werden. Mit moderner Abfangtechnik kann eine Tomahawk aber nur etwas schwerer zerstört werden als eine Shahed. Und wenn man bedenkt, dass selbst 10 Shahed nur 10% der Kosten eines Tomahawk ausmachen, so sind frontnähere oder ungeschützte und nicht gebunkerte Ziele mit Shahedschwärmen günstiger und effektiver zu bekämpfen. 

Zerstörungen in der Ukraine

Der Einsatz der Shahed-Drohnen haben vermutlich dazu beigetragen, die ukrainische Gegenoffensive und Befreiung von Gebieten in der Region Kharkiv zu stoppen. Die Ukraine war unvorbereitet auf den Einsatz dieser neuen Waffe, die erhebliche Schäden anrichtete. 

Im Oktober und November 2022 wurden dann viele Anlagen der ukrainischen Energieinfrastruktur getroffen. Diese Angriffe auf Leitungen, Umspannwerke und Kraftwerke wurden dabei oft mit einer Kombination von Shahed-Drohnenschwarm und anderen Waffen durchgeführt, wodurch viele Waffen die Flugabwehr überwinden konnten. So wurden oft auch ballistische Raketen, Lenkwaffen und Drohnen eingesetzt. Es scheint auch, dass die Ukraine bei manchen Waffengattungen viel Munition verbraucht hat, was die stärkeren Diskussionen über die Munitionsversorgung der Geparden angeht. 

Was macht die iranischen Kamikazedrohnen aus?

Die Angriffsziele werden vor oder während des Flugs einprogrammiert. Ausgefallene optische Sensoren gibt es dabei nicht. Die Zielerfassung der Kamikazedrohnen braucht also Beobachter vor Ort oder andere Drohnen mit optischen Sensoren, die das ganze Geschehen beobachten. 

Angriffe auf festinstallierte Infrastruktur sind somit leicht zu programmieren. Allerdings fliegen die Shahed Drohnen “nur” 200-300 km/h schnell und können so noch einigermaßen einfach durch Flugabwehrgeschütze zerstört werden. Wegen der niedrigen Flughöhe und Größe ist es schwierig die Drohnen zu erfassen, sie können aber auch mit Maschinengewehren abgeschossen werden. 

Die Sprengladung beträgt etwa 50-100 kg. Ist also vergleichbar mit der Sprengladung von 2 Artilleriegeschossen. 

Der größte Vorteil der Drohnen sind wie oben beschrieben die geringen Kosten. So werden die Kosten für Shahed Drohnen auf 10.000 bis 30.000 Euro geschätzt. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie klein sind und tief fliegen und daher für viele Radarsysteme schwer identifizierbar sind. 

Ansonsten gleichen die iranischen Kamikazedrohnen eher Marschflugkörper (cruise missiles). Im Vergleich zu den meisten Marschflugkörpern sind die Drohnen viel günstiger. US Tomahawks kosten ca. 1 Million pro Stück. Andererseits sind die Sprengladungen viel geringer. 

Drohnenschwärme

Die günstigen Kosten und durchaus verheerende Durchschlagskraft führen dazu, dass Shahed Drohnen oft in Gruppen eingesetzt werden. Selbst wenn 50-60% einer solchen Gruppe ausgeschaltet werden ist es finanziell günstig, wenn ein hochwertiges Ziel, wie ein Artilleriegeschütz oder sogar eine Umspannstation ausgeschaltet werden kann. 

Eine Stinger-Rakete kann eine Shaheddrohne zwar häufig abfangen, da die Drohnen eher langsam sind und niedrig fliegen. Allerdings sind die Stinger Abfangraketen teurer als die Shaheddrohnen. Rein finanziell betrachtet also ein “Verlustgeschäft”, jedoch trotzdem sehr wichtig, da die Ziele oft ein vielfaches bis tausendfaches der Kosten einer solchen Drohne ausmachen. 

Auch britische Starstreak Raketen können Shaheddrohnen abwehren. Doch hier ist der Vergleich noch dramatischer. Eine Starstreak Rakete kostet schätzungsweise 20-50 mal so viel, wie eine Shaheddrohne. 

V1 im Zweiten Weltkrieg

Schon im Zweiten Weltkrieg hatte Deutschland mit den V1 Marschflugkörpern gefährliche Waffen, welche dazu geführt hatten, dass ein Großteil der englischen Luftwaffe und Luftverteidigung mit dem Abfangen dieser Waffen beschäftigt war. In diesem Sinne glauben viele Militärhistoriker, dass die V1 eine viel stärkere Wirkung hatte als die V2, welche viel teurer war und nicht abgefangen werden konnte. 

Aufklärungsdrohnen

Neben den Shahed-Kamikazedrohnen gibt es eine Reihe höher fliegende Drohnen, die Gegenden aufklären können. Die fehlenden Sensoren bei den Shahed Drohnen machen solche Aufklärungsdrohnen nötig, falls keine Beobachter vor Ort sind. 

Diese hochfliegenden Drohnen sind deutlich teurer und können leichter durch stärkere Abwehrwaffen zerstört werden. 

Wieviele Drohnen hat der Iran? 

Laut ukrainischen Angaben wurden schon mehr als 200 iranische Drohnen in der Ukraine eingesetzt. Es kann also davon ausgegangen werden, dass der Iran über tausende verschiedener Drohnen verfügt. 

Gab es einen Drohnenangriff auf Saudi Arabien?

Ja, wahrscheinlich wurde der Angriff auf Ölanlagen in Saudi Arabien durch Drohnen ausgeführt. Der Angriff von mehreren Drohnen führte zu erheblichen Schäden an den Ölanlagen und einen temporären Ausfall, welcher weltweit zu einem sehr kurzfristigen Schock an den Ölmärkten führte. Dieser Angriff wurde als ein wichtiges Beispiel für die Möglichkeiten von Drohnen gesehen und diskutiert.

Um welche Drohnen es sich handelte und welche Flugrichtung diese hatten ist nach wie vor öffentlich nicht einwandfrei geklärt.

Drohnen im Krieg von Armenien und Aserbaidschan

In den letzten Konflikten zwischen Armenien und Aserbaidschan hat Aserbaidschan vermehrt türkische und israelische Drohnen eingesetzt. Dabei hatten die Armenier wenig Abwehrwaffen und hatten viele ihrer Truppen in statischen Positionen, die gut über einen langen Zeitraum ausgekundschaftet wurden. Die Drohnen ermöglichten es Aserbaidschan einen Sieg über Armenien zu erringen. Auch dies wurde von Iran genau studiert und floss in die weitere Entwicklung ein. Einige iranische Drohnen sind durchaus den türkischen Bayraktar Drohnen nachempfunden. 

Zukunft iranischer Drohnen

  1. Der Iran wird wahrscheinlich den Drohnenbau weiter forcieren und ist in der Welt nun als eine führende Macht in dem Bereich bekannt. 
  2. Dies ist der zweite Bereich nach der Weltraum und Raketentechnologie, in welchem der Iran starke Erfolge feiern konnte. 
  3. In der Ukraine haben die Shahed bzw. Baugleiche Drohnen anfangs großen Schaden angerichtet, aber die Ukraine stellt sich auf die neue Bedrohung ein und konnte die Angriffe Ende Oktober und im November bisher besser abwehren. Kriegsentscheidend für Russland werden diese Drohnen wohl nicht sein, zumindest nicht die Anzahl und Art der momentan eingesetzten Drohnen.
  4. In der Zukunft werden kleinere Drohnen in Kriegen an der Front, aber auch bei der Bekämpfung von Zielen hinter der Front eine wichtige Rolle spielen. Der Iran hat gezeigt, dass auch mit geringen Mitteln dies erreicht werden kann. Eine weitere wichtige Lehre ist, dass Schwärme von Drohnen kaum abgefangen werden können bzw. Dies oft nicht kosteneffizient ist. Allerdings auch, dass es durchaus Waffen gibt, wie den Gepard, die dies bewerkstelligen können. Diese Waffen wurden allerdings häufig ausgemustert und stehen vielen Streitkräften nicht mehr zur Verfügung. 

Breaking News am 05 November:

Der Iran bestätigt, Drohnen an Russland geliefert zu haben.