Kopftuchpflicht im Iran

Im Iran gibt es seit der Revolution eine gesetzliche Vorgabe für erwachsene Frauen Kopftuch zu tragen. Die genaue Ausgestaltung ist dabei nur teilweise geregelt. So sollen die Haare vollständig bedeckt sein und auch der Nacken soll bedeckt sein.

Wie nennt man das iranische Kopftuch

Das iranische Kopftuch wird Tschador genannt. Es handelt sich dabei um ein längeres Dreieckstuch, welches über den Kopf gehängt wird. Dabei ist der Tschador weit mehr als ein Kopftuch. Das Kleidungsstück ist besonders lang und bedeckt als zusätzliche Bekleidungsschicht auch Schultern, Arme und Oberkörper. 

Seit wann gibt es Tschador?

Die Geschichte des Tschador im Iran geht auf vor-islamische Zeit zurück. Dabei ist nicht ganz klar, wieviele Menschen Tschador trugen.

Welche Farben haben Kopftücher im Iran?

Iranische Frauen tragen durchaus auch graue, weisse oder schwarze Kopftücher. Der Tschador ist im Iran mittlerweile fast immer schwarz und ist ein Zeichen für Frauen, die die islamische Republik stärker unterstützen. Traditionell gab es reichlich verzierte Tschador, die so noch in Afghanistan getragen werden. 

Gibt es Burkas in Iran?

Eine Verschleierung des Gesichts ist im Iran eher unüblich. Burkas sind für Iraner komplett unüblich und werden kaum oder nicht akzeptiert. Während Tschador mit Persien und mit dem schiitischen Islam verbunden werden, werden Burkas mit Afghanistan, Saudi Arabien und dem sunnitischen Islam assoziiert. 

War der Tschador unter dem Shah verboten? 

Ja und nein. Im Jahr 1936 wurde der Tschador verboten. Der damalige Shah versuchte das Land zu modernisieren und übernahm dabei einige Parallelen aus der Türkei, wo Atatürk die Kleiderordnung modernisierte. 

1941 bis 1979 gab es keine einheitliche Gesetzgebung. In der Praxis war der Tschador in modernen Städten wie Schiraz und Teheran wenig verbreitet. Auf dem Land trugen viele Frauen den Tschador, häufig allerdings auch leichtere Farben und Verzierungen. 

Was hat sich 2022 geändert? 

Millionen von Frauen im Iran demonstrieren im Herbst 2022 gegen die strengen Gesetze und vor allem gegen die Sittenwächter. Gründe der Proteste ist die Unzufriedenheit mit fehlender Freiheit und schlechter Wirtschaftslage. Der Ausgangspunkt war allerdings der Tod von Mahsa Amiri, als sie von Sittenwächtern festgenommen wurde, da sie angeblich ihr Kopftuch nicht ordentlich trug. 

Die Proteste finden im ganzen Land statt, insbesondere aber in der kurdischen Region und in den größten Städten. Dabei werden die Proteste weiterhin von Frauen angeführt, aber ganz unterschiedliche Gruppen haben sich den Protesten angeschlossen. Händler schließen ihre Geschäfte. Arbeiter streiken. Ärzte und Ärztinnen protestieren vor ihren Krankenhäusern. 

Zudem haben Hunderttausende Frauen ihr Kopftuch abgelegt und zeigen sich so auch in der Öffentlichkeit. Dies war Anfang 2022 noch undenkbar gewesen. 

Der Ausgang der Situation ist ungewiss. Allerdings sind die jetzigen Proteste größer und umgreifender als alles was vorher passiert war. Zudem stehen viele Iraner trotz zahlreicher Einschränkungen weiterhin mit Exiliranern im Kontakt und so gibt es einen permanenten, wenn auch immer wieder unterbrochenen Fluss an Informationen.